(German) Roam Research: Search & Spaced Repetition

Nur als Notizenapp wäre Roam etwas zu teuer – deshalb ist Roam auch als Datenbank, Wiki, Journal usw. zu verwenden. Einige haben es als ein Excel für das Schreiben von Notizen definiert. Oder aber als Wikipedia für das Schreiben statt Lesen.

Nach einer Weile hat man eine große Menge an Informationen in unterschiedlichsten Unterseiten abgespeichert und es stellt sich die Frage was man damit anfängt.
Wie navigiert man sich in den eingespeicherten Infomationen?
Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man sucht nach konkreten Begriffen und entsprechenden Vernetzungen oder man merkt sich die Inhalte. Beides wird zunehmend schwieriger, desto länger Roam genutzt wird und desto mehr Einträge vorhanden sind.

Eine neue visuelle Sucherweiterung für Chrome

Dharam Kapila hat vor kurzem die Chrome Erweiterung Roam Portal veröffentlicht, die das Sucherlebnis in Roam deutlich verbessert.

So lassen sich bestimmte Wörter oder Phrasen deutlich leichter suchen. Hier kann die Suche auch auf bestimmte Datumsbereiche eingrenzt werden und man erhält eine detaillierte Aufschlüsselung wann und wo Begriffe am häufigsten vorkommen. Damit lassen sich auch andere öffentliche Roam-Datenbanken durchsuchen oder Graphen auf die man Zugriff bekommen hat.

Die Chrome-Erweiterung kann hier installiert werden und die Informationsseite zu Roam Portal findet sich hier.

Da die Erweiterung die Roam-Alpha-API verwendet, auf die derzeit nur eine begrenzte Anzahl von Entwickler:innen Zugriff haben, ist dies ein spannender Vorgeschmack auf Erweiterungen die mit der neuen Roam-API entwickelt werden können.

Dieses Add-On ist für mich die bisher effizienteste Art bestimmte Themen und Begriffe im eigenen Graph zu suchen und zwischen Einträgen zu navigieren.

Spaced Repetition

Eine der besseren Lernmethoden um Informationen langfristig abzuspeichern nennt sich Spaced Repitition. Spaced Repitition bedeutet gelernte Inhalte in zunehmend längeren Abständen zu wiederholen. Dabei wird der sogenannte Spacing-Effekt ausgenutzt.
Dieser besagt, dass die Inhalte besser im Gedächtnis hängen bleiben, die über einen längeren Zeitraum gelernt wurden - als jene Inhalte, die nur in einer kurzen Zeit besonders intensiv wiederholt worden sind.

So zeigt diese Darstellung, dass mit jeder Erinnerung an bestimmte Inhalte die entsprechende Vergessenslinie zunehmend abflacht. Mit jeder Wiederholung verlängert sich die projizierte Vergessenskurve und die Wahrscheinlichkeit der Erinnerung nach Zeitpunkt X ist höher.

Hierfür sind einige Kriterien wichtig: Zum einen dürfen die einzelnen “Wissenspakete” natürlich nicht zu groß sein. Deshalb ist Spaced Repitition gerade bei Vokabeln sehr effizient. Also sollte sowieso nur das Wissen auswendig gelernt werden, dass in überschaubare Wissenspakete aufzuteilen ist.

Wenn ich in einem Artikel auf einen Begriff, ein Konzept oder eine Vokabel treffe, woran ich mich gerne erinnern möchte – So kategorisiere ich es zunächst als Attribut (in Roam erstelle ich ein Attribut, indem ich zwei Doppelpunkte hinter den Begriff setze).

Im Blogeintrag von Paul Graham zu How to think for yourself bin ich beispielsweise auf das englische Wort “Fastidiousness” gestoßen. Also schreibe ich diese Vokabel als Attribut (Vokabel::) in Roam, definiere den “Suchbegriff” - in diesem Fall “englisch für Pingeligkeit und niste die Vokabel darunter ein.

In einem anderen Artikel lese ich über Deepmind und deren Erfolge hinsichtlich Alphafold.
In diesem Artikel geht es konkret um das Thema der Proteinfaltung und das sogenannte Levinthal-Paradox wird beschrieben. Derartige Konzepte, Gedankenspiele und Probleme finde ich sehr spannend – also wähle ich Paradox als Attribut (Paradox::) und erstelle mit der eingenisten Defintion ebenfalls eine Art Lern-Karteikarte.

Nun habe ich also verschiedene Karteikarten. Diesen Karteikarten möchte ich in zunehmend länger werdenden Abständen wiederbegegnen. In Roam kann ich das auf unterschiedliche Weise automatisieren.
Grundsätzlich wird dafür die Delta-Funktion (∆) genutzt.

Aktuell gibt es mehrere Möglichkeiten, diese Funktion aufzurufen:

  1. Du klickst mit der rechten Maustaste auf den Kreis vor dem jeweiligen Block und wählst das ∆-Symbol aus.
    Habe ich dieses Symbol ausgewählt, so wird dieser Block einen Tag in die Zukunft verschoben. Wenn dieser Block eingenistete Blöcke hat (was ja bei unserer Karteikarte der Fall ist) werden diese aber nicht mit verschoben. Um auch eingenistete Blöcke in der Zukunft zu sehen, wählt man die Option ∆… zusätzlich aus.
  2. Ich kann auch manuell {{[[∆]]}} hinter den Block schreiben und erziele den selben Effekt.

Nun möchte ich aber natürlich meine Karteikarte nicht einfach täglich sehen, sondern in zunehmend längeren Abständen. Die Karte soll morgen erscheinen und dann in drei Tagen und dann in fünf Tagen…

Dafür kann ich diesen Befehl {{[[∆]]:1+2}} hinter die Karteikarte schreiben.

Wichtig ist nur, dass ich manuell mit rechtsklick auf den Block klicke und ∆… auswähle. Ansonsten wird der eingenistete Block nicht auch verschoben.

Habe ich diesen Befehl eingestellt so sehe ich die Karteikarte morgen - und dann werden automatisch zwei Tage hinzugerechnet. Ich sehe die Karte also in drei tagen wieder. Dann werden erneut zwei Tage auf den neuen Wert (3) gerechnet – das nächste mal sehe ich die Karte also erst fünf Tage später wieder.

Das wäre der kompliziertere Weg:
Ich kann dafür auch einen Smartblock benutzen. Smartblocks sind ein Teil der Roam42-Extension und vereinfachen kompliziertere Automatisierungen.

Um verschiedene Delta-Befehle automatisch einzustellen muss ich nach der Roam42-Installation nur diese Smartblocks hinter meine jeweilige Karteikarte eingeben.

Dieses Video erklärt die verschiedenen Möglichkeiten die ich dafür habe.

Show Comments